Kontakt

Pollution Pods

Bremen

Tief Luft holen – das war das Motto des Nachmittags am 27.11.2018 im Klimahaus Bremerhaven zum Thema Luftverschmutzung in Metropolen.

Die Veranstaltung begann mit einem Rundgang durch die fünf miteinander verbundenen geodätischen Kuppeln aus norwegischem Holz und biologisch abbaubaren Kunststoffmembranen. In diesen werden typische Gerüche von fünf Weltmetropolen dargestellt: Peking, New Delhi, Sao Paolo, London und Trondheim. Die Kunstinstallation, die in Kooperation mit RENN.nord einen Monat lang vor dem Klimahaus zu sehen war, lässt Besucher die globale Luftverschmutzung erleben. In wenigen Schritten durchliefen die Besucher die Kuppeln, von trockenen, kalten bis hin zu heißen und feuchten Orten. Und schnell wurde der Unterschied klar: Während man in Trondheim nicht genug von der klaren und sauberen Luft bekommen kann, hält man sich in Delhi unbewusst die Nase zu und versucht dem beißenden Geruch schnellen Schrittes zu entfliehen. Im richtigen Delhi ist das nicht so einfach möglich und es gibt einen weiteren, gravierenden Unterschied. Die Luft Delhis ist giftig. Gefährlich ist der Gang durch die Kuppel natürlich nicht, jedoch wird durch die professionelle Nachahmung von Gerüchen und Luftqualität die Umwelt in den unterschiedlichen Städtchen eindrücklich imitiert. Die Freisetzung giftiger Gase trägt zum Klimawandel bei und wirkt sich unmittelbar auf unsere Gesundheit aus. Dies konnten sich die Besucher nach dem Rundgang bildhaft vorstellen und waren beeindruckt, wie stark sich die Luftqualität schon nach einigen Minuten Aufenthalt in den Kuppeln auf das Wohlbefinden auswirkt.

 

Um das Erlebte in einen größeren, wissenschaftlichen Rahmen einzuordnen berichtete im Anschluss an den Rundgang Dr. Maria Dolores Andrés Hernández vom laufenden Forschungsprojekt EMeRGe. Das unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Burrows vom

Institut für Umweltphysik der Universität Bremen geführte Projekt misst mit einem hochmodernen Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums die Luftbelastung in weltweiten Mega-Cities. Ballungszentren wie London, Rom, Beijing, bis hin zum Ruhrgebiet wurden bereits überflogen. Die finalen Ergebnisse des Projekts stehen noch aus, jedoch wurde durch die Schilderungen von Frau Andrés Hernández deutlich, mit welchem Aufwand ein solches Forschungsprojekt verbunden ist und dass Aussagen zu den Messergebnissen vorsichtig getroffen werden müssen. Klar ist auf jeden Fall eins: Sind einmal Emissionen in der Atmosphäre, haben sie auch eine Auswirkung, sei es direkt vor Ort oder in anderen Regionen, in die sie über Luftströme weitergetragen wurden. So konnten beispielsweise Emissionen aus Peking in Tokyo nachgewiesen werden.

Anschließend erläuterten Dr. Susanne Nawrath und Jens Tanneberg vom Klimahaus Bremerhaven, was sich aus den Erfahrungen des Nachmittags für den Klimaschutz ableiten lässt. Daraufhin wurden viele politische und technische Möglichkeiten, dem Klimawandel entgegen zu wirken, rege diskutiert. Die Luft in Delhi ist schlechter als in Bremerhaven, auch weil an der Nordsee-Küste der Wind die Emissionen weiterträgt. Trotzdem waren sich die Anwesenden einig, dass es in Deutschland einer Mobilitätswende bedarf, um die globalen Auswirkungen regional zu verringern, um auch hier langfristig entspannt tief Luft holen zu können. Die Diskussion klang bei Kaffee und Kuchen aus.

Videodokumentation der Veranstaltung auf Youtube.com

nach oben